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Auf ein Wort
(November 2011)
Die zwei Seiten des Lichts
Lichter ziehen an und strahlen aus
Warm und wohlig wirken die beiden Hände auf dem Titelblatt dieser
Ausgabe. Sie umhüllen ein Licht, das Behaglichkeit ausstrahlt. Von
diesem Licht lassen sie sich erhellen, so dass sie sich wie ein Herz
vom dunklen Hintergrund abheben.
Das kleine Teelicht sorgt dafür, dass die Dunkelheit keine Bedrohung
ist, dass sie nur wie ein dunkler Rahmen für das eigentliche
Ereignis
wirkt: das einladende Leuchten.
Die Bibel erzählt uns davon, was unser Leben zum Leuchten bringt. Es
gibt dort viele Stellen, an denen Gott mit Licht verglichen
wird. So sagt der Psalmist
„Der Herr ist mein Licht“
(Ps. 27,1), und Jesus wird als
das Licht der Welt
bezeichnet (Joh. 8,12).
Das Titelbild des Gemeindebriefs gibt uns einen Hinweis darauf, wie
wir diese Bilder verstehen können. So wie das kleine Licht auf dem
Foto die große Dunkelheit um es herum erhellt und verwandelt, so kann
das auch Gott in finsteren Zeiten. Selbst ein kleines Licht ist im
Dunkeln aus großer Entfernung zu erkennen – um wie viel mehr strahlt
dann Gott in die Dunkelheit des Lebens hinein! Wenn alles dunkel ist,
dann zieht ein Licht einen wie ein Magnet an. Und je dunkler die Nacht
ist, desto weiter scheint ein Licht.
Wenn es uns schlecht geht, wenn es düster in unserer Seele ist, dann
kann die Hoffnung, dass Gott uns leuchtet, diese Dunkelheit
erträglicher machen. Schon ein kleiner Hoffnungsschimmer kann dazu
verhelfen, dass wir ein wenig aufrechter gehen können. Wenn wir nur
ein bisschen Licht erahnen, kann das Kräfte freisetzen, die uns auf
dieses Licht zugehen lassen. Das Dunkel wird weniger furchteinflößend,
das Licht Gottes weist uns den Weg aus dem Dunklen heraus.
Andersherum ist es, wenn man im Licht steht. Aus einem hellen Raum
kann man schlecht in die dunkle Nacht blicken. Auf unserem Bild sind
nur die Hände der Person sichtbar, der restliche Körper ist vom Dunkel
verschluckt.
Manchmal geht es uns richtig gut. Manchmal läuft es einfach. Es ist
schön und wichtig, dass es solche Momente gibt. Es gibt Zeiten und
Orte, wo man sich wohlfühlt.
Wenn das so ist, wenn das Leben gut läuft, wenn man sich sehr bewusst
im behaglichen Licht Gottes sonnt, dann übersieht man schnell, dass es
auch Dunkelheit gibt. So wie auf unserem Bild der Blick sofort auf
die Hände fällt und die Schwärze drum herum nicht so stark wirkt,
so ist das auch im Leben. Der Blick auf diejenigen, denen es gerade
nicht gut geht, geht schnell verloren. Frisch Verliebte nehmen die
Traurigkeit eines Bekannten nicht so schnell wahr, und wenn man selber
gerade Besuch von den Enkeln hat, dann übersieht man vielleicht die
Einsamkeit der Nachbarin. Wo Licht ist, ist aber immer auch
Dunkelheit.
Lohnt es nicht, denen im Schatten vom Licht zu erzählen? Sind wir
nicht gerade in den hellen Zeiten gefordert, den Menschen im Finstern
davon zu berichten, dass es Zeiten gibt, in denen Gott wieder Licht
scheinen lässt? Vielleicht können wir die Menschen nicht aus der
Finsternis führen – wenn wir ihnen aber vom Licht erzählen, dann haben
sie vielleicht weniger Angst.
Wo Licht ist, ist auch Schatten, wo aber Schatten ist, da ist auch
Licht. Der Blick in die andere Richtung ist wichtig.
Ihr Sebastian Baer-Henney
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